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Ingall
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Ingall (andere Schreibweisen: In-Gall, In Gall, I-n-Gall, Ingal, Inghall) ist eine Landgemeinde und der Hauptort des gleichnamigen Departements Ingall in Niger.

Contents

‱ Geographie
‱ Klima
‱ Geschichte
‱ Politik
‱ Literatur
‱ Weblinks

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Geographie

Lage und Gliederung

Der Hauptort der Landgemeinde ist Ingall,cite-ref-1[1] eine in einer Höhe von rund 490 m. ĂŒ. M. gelegene Oase. Der Hauptort ist in 15 Stadtviertel gegliedert: Agafey, Aharam, Alkoubla I, Alkoubla II, Alkoubla III, Alkouboula II, Alkouboula III, Atiaram, Itourma 1, Itriman, Madina, Quartier Administratif, Sabon Gari, Toudou und Toudou II.

Bei den Siedlungen im lÀndlichen Gemeindegebiet handelt es sich um 19 Dörfer, 19 Weiler, 20 Lager und 142 Wasserstellen.cite-ref-renaloc-2-0[2] Im Gemeindegebiet befinden sich die Ruinenstadt Takedda und der Grenzort Assamaka. Auf vier Wasserstellen in Ingall erhebt die Nachbargemeinde Aderbissinat Anspruch. Umgekehrt beansprucht Ingall vier weitere Wasserstellen in Aderbissinat und eine Wasserstelle in der Gemeinde Bermo.cite-ref-3[3]

Die Landgemeinde grenzt im Norden an den Nachbarstaat Algerien und im Nordwesten an den Nachbarstaat Mali. Die Nachbargemeinden in Niger sind Gougaram im Nordosten, Dannet, Dabaga und TchirozĂ©rine im Osten, Aderbissinat im SĂŒdosten, GadabĂ©dji im SĂŒden sowie Abalak, Tamaya, Tassara und Tillia im Westen.cite-ref-4[4]

Ingall hat Anteil an den Landschaften Irhazer und TadrĂšs. Die Jagdzone von Ingall ist eines der von der staatlichen Generaldirektion fĂŒr Umwelt, Wasser und Forstwirtschaft festgelegten offiziellen Jagdreviere Nigers.cite-ref-5[5]

Klima

In Ingall herrscht trockenes WĂŒstenklima vor. Die Niederschlagsmessstation im Hauptort liegt auf 450 m Höhe und wurde 1954 in Betrieb genommen.cite-ref-6[6]

Geschichte

ArchÀologische FundplÀtze aus der Jungsteinzeit sind Chin Tafidet, In-Tékébrine und Tamaya Mellet.cite-ref-7[7]

Ingall wurde 1370 von Truppen des sich Richtung Osten ausdehnenden Malireichs erobert.cite-ref-8[8] Bis ins Mittelalter wurde in der Gegend um Ingall Kupfer abgebaut.cite-ref-9[9]

Die 558 Kilometer lange Piste zwischen den Orten Agadez und Birni-N’Konni, die durch Ingall fĂŒhrte, galt in den 1920er Jahren als einer der Hauptverkehrswege in der damaligen französischen Kolonie Niger. In diesem Abschnitt war sie auf Reisen mit Kamelen ausgerichtet.cite-ref-10[10] Die französische Verwaltung richtete 1947 in Ingall eine Schule speziell fĂŒr die nomadische Bevölkerung ein.cite-ref-11[11] Das französische Übersee-Forschungsinstitut Office de la Recherche Scientifique et Technique Outre-Mer (ORSTOM) betrieb in Ingall eine geomagnetische Station, die zu einem Netzwerk von mehreren hundert ORSTOM-Stationen in Westafrika gehörte, an denen in den 1950er Jahren geomagnetische Messungen vorgenommen wurden.cite-ref-12[12]

Im Jahr 1964 gliederte eine Verwaltungsreform Niger in sieben Departements, die VorgĂ€nger der spĂ€teren Regionen, und 32 Arrondissements, die VorgĂ€nger der spĂ€teren Departements. Ingall wurde dem neu geschaffenen Arrondissement Agadez zugeschlagen, erhielt jedoch – wie IfĂ©rouane – den Status eines Verwaltungspostens (poste administratif) im Gebiet des Arrondissements. Verwaltungsposten waren besondere Gebietseinheiten eine Ebene unterhalb von Arrondissements, die als eine Art Vorstufe zu einer spĂ€teren Umwandlung in ein eigenes Arrondissement galten.cite-ref-13[13] Das Gebiet des Arrondissements Agadez wurde 1969 auf die Arrondissements Arlit und TchirozĂ©rine aufgeteilt.cite-ref-14[14] Ingall wurde dem Arrondissement TchirozĂ©rine zugeschlagen. Im Jahr 1998 wurden die bisherigen Arrondissements Nigers in Departements umgewandelt.cite-ref-15[15]

Die Rallye Dakar fĂŒhrte 1983 ĂŒber Ingall.cite-ref-16[16] Im Jahr 2009 verursachten Überschwemmungen in verschiedenen Orten im Gemeindegebiet materielle SchĂ€den, von denen insgesamt ĂŒber 1000 Einwohner unmittelbar betroffen waren.cite-ref-17[17] Seit 2011 gehört die Landgemeinde nicht mehr zum Departement TchirozĂ©rine, sondern zum neugeschaffenen Departement Ingall. Der bisherige Verwaltungsposten wurde zum Hauptort des Departements erhoben.cite-ref-18[18]

Bevölkerung

Bei der VolkszÀhlung 2012 hatte die Landgemeinde 51.903 Einwohner, die in 8645 Haushalten lebten.cite-ref-renaloc-2-1[2] Bei der VolkszÀhlung 2001 betrug die Einwohnerzahl 30.060 in 5557 Haushalten.cite-ref-renacom-19-0[19]

Im Hauptort lebten bei der VolkszÀhlung 2012 7839 Einwohner in 1229 Haushalten,cite-ref-renaloc-2-2[2] bei der VolkszÀhlung 2001 5601 in 1036 Haushaltencite-ref-renacom-19-1[19] und bei der VolkszÀhlung 1988 7430 in 1297 Haushalten.cite-ref-20[20] Bei der VolkszÀhlung 1977 waren es 3354 Einwohner.cite-ref-21[21]

Zur sesshaften Bevölkerung zĂ€hlen Songhai und Tuareg, zur transhumant lebenden Tuareg und Fulbe.cite-ref-geels-158-22-0[22] Außerdem leben Abzinawa in der Gemeinde.cite-ref-23[23] FĂŒr die Nomaden der Tuareg-Gruppe Kel Fadey sind die Brunnen von Ebrik und TchimoumounĂšne von Bedeutung, fĂŒr die Nomaden der Tuareg-Gruppe Kel Hoggar die Brunnen von Inabaghirit, Injitan, Tegguida-n-Tessoum, Tiguindan Adar und Tiguidan Tagueit. Die Tuareg-Gruppe Igdalen lĂ€sst ihr Vieh an den Brunnen von Assawas, Ekizengui, Fogochia, Kokari, Mazababou und Tiguindan Adar weiden. Am Brunnen von Ouaraghass nomadisieren Kounta. An den Brunnen von Assawas, Emalolo und Lag Lag leben Angehörige der Fulbe-Gruppen Bikorawa und Bingawa.cite-ref-24[24] In den Oasen Ingall und Tegguida-n-Tessoum wird von etwa 8000 Personen (Stand: 1998) die nördliche Songhaisprache Tasawaq gesprochen, die nur hier heimisch ist. Tasawaq-Erstsprecher verwenden auch Hausa oder die Tamascheq-VarietĂ€t Tawallammat.cite-ref-25[25] In den zum Gemeindegebiet von Ingall gehörenden Dörfern Mazababou und Tiguirwit wird die Songhai-Berber-Mischsprache Tagdal gesprochen.cite-ref-26[26]

Politik

Der Gemeinderat (conseil municipal) hat 16 Mitglieder. Mit den Kommunalwahlen 2020 sind die Sitze im Gemeinderat wie folgt verteilt: 10 PNDS-Tarayya, 3 MNSD-Nassara, 2 MPN-Kiishin Kassa und 1 MPR-Jamhuriya.cite-ref-27[27]

Jeweils ein traditioneller Ortsvorsteher (chef traditionnel) steht an der Spitze von 14 Dörfern in der Gemeinde.cite-ref-renaloc-2-3[2]

Kultur und SehenswĂŒrdigkeiten

Bekannt ist Ingall fĂŒr die wĂ€hrend der sommerlichen Regenzeit gefeierten Nomadenfestival Cure SalĂ©e. Teil der Festlichkeiten sind die Geerewol-Zermonien der Wodaabe, ein MĂ€nner-Schönheitswettbewerb.cite-ref-28[28]

Unweit des Marktes liegt in der Ortsmitte die Freitagsmoschee, eine Hof-Moschee, aus dem Jahr 1970. Ihr Erhaltungszustand wird als sehr gut beschrieben. Das Areal umfasst eine geschĂ€tzte GesamtflĂ€che von 900 Quadratmetern. Die Hofmauer ist ĂŒbermannshoch. Im umschlossenen Hof befindet sich ein mittelhohes, mehrstufiges Adhān-Podest. Das BetraumgebĂ€ude ist als Queranlage konzipiert und beherbergt eine Mihrāb-Abside mit giebelartiger Spitze an der Ostseite. Tief in der Mauerkrone und der Mihrāb-Abside sind zahlreiche Wasserspeier eingelassen.

Östlich der Freitagsmoschee, aber ebenfalls in der Ortsmitte, liegt die Ă€lteste Moschee Ingalls. Die knapp 250 Quadratmeter große Anlage stammt aus dem 16. Jahrhundert und weist erhebliche Erosionsspuren auf. Auch die Hofmauern sind recht verwittert.cite-ref-gruner-29-0[29]cite-ref-30[30] In einem NebengebĂ€ude ist eine Madrasa untergebracht. Ein niedriges weiteres Adhān-Podest findet sich an der sĂŒdöstlichen Ecke des Hofes, und nochmals eines, dreistufig, an der nordöstlichen Hofecke. Vor der Hoffassade steht eine prĂ€chtige Akazie. Das BetraumgebĂ€ude ist auch hier als Queranlage erstellt und hat eine Mihrāb-Apsis.cite-ref-gruner-29-1[29]

Wirtschaft und Infrastruktur

In den Dörfern Ingall und Amataltal gibt es jeweils einen Viehmarkt. Der Markttag in Ingall ist am Samstag und in Amataltal, wo die ZĂŒchter selbst ihre Tiere verkaufen, am Montag.cite-ref-31[31] Das staatliche Versorgungszentrum fĂŒr landwirtschaftliche Betriebsmittel und Materialien (CAIMA) unterhĂ€lt eine Verkaufsstelle im Hauptort.cite-ref-32[32]

Der SĂŒden des Gemeindegebiets kann noch fĂŒr die Weidewirtschaft genutzt werden.cite-ref-33[33] Das Uranbergwerk Azelik in Ingall nahm 2010 seinen Betrieb auf.cite-ref-34[34] Beim Weiler Tiguirwit wurde Ende der 1960er Jahre die Tiguirwit-Talsperre errichtet.cite-ref-35[35] Im Hauptort gibt es seit September 2000 einen lokalen BĂŒrgerhörfunk (radio communautaire).cite-ref-36[36]

Gesundheitszentren des Typs Centre de SantĂ© IntĂ©grĂ© (CSI) sind im Hauptort sowie in den Siedlungen Aggaya, Assawas, Injagarane, Tegguida-n-Tessoum, Tiguidan Tagueit, Tiguindan Adar und Tiguirwit vorhanden. Das Gesundheitszentrum im Hauptort verfĂŒgt ĂŒber ein eigenes Labor und eine Entbindungsstation.cite-ref-37[37] Das Trinkwasser in Ingall weist gesundheitsgefĂ€hrdend hohe Fluorwerte auf. Vergleichsweise schlechte Werte wurden in Niger nur in Koundoumaoua und Tibiri gemessen.cite-ref-38[38]

Der CEG Ingall ist eine allgemein bildende Schule der Sekundarstufe des Typs CollĂšge d’Enseignement GĂ©nĂ©ral (CEG).cite-ref-39[39] Der CollĂšge d’Enseignement Technique d’Ingall (CET Ingall) ist eine technische Fachschule.cite-ref-40[40] In der Siedlung Amataltal gibt es mit dem Centre de Formation aux MĂ©tiers de Amataltal (CFM Amataltal) ein Berufsausbildungszentrum.cite-ref-41[41]

Durch Ingall, unter anderem durch den Hauptort, fĂŒhrt die 156,2 Kilometer lange Nationalstraße 26 zwischen Agadez und Mararaba. Durch das Gemeindegebiet verlaufen außerdem die 980,9 Kilometer lange Nationalstraße 11 zwischen der Staatsgrenze zu Algerien im Norden und der Staatsgrenze zu Nigeria im SĂŒden sowie die 868 Kilometer lange Nationalstraße 25 zwischen den StĂ€dten Niamey und Agadez. Der Hauptort Ingall ist ĂŒber die 80 Kilometer lange Route 107 mit dem Dorf Inagar und ĂŒber die 80 Kilometer lange Route 112 mit dem Dorf Tegguida-n-Tessoum verbunden. Von Tegguida-n-Tessoum fĂŒhrt die 110 Kilometer lange Route 103 ins Dorf Assawas und die 290 Kilometer lange Route 104 zur Staatsgrenze mit Algerien. Die Siedlung Ekawel ist ĂŒber die 12 Kilometer lange Route 119 mit der Nationalstraße 25 verbunden.cite-ref-42[42]

Gemeindepartnerschaft

Ingall unterhĂ€lt eine Gemeindepartnerschaft mit der CommunautĂ© de communes d’Arguenon et Hunaudaye,cite-ref-43[43] einem ehemaligen Verbund der französischen Gemeinden Dolo, Jugon-les-Lacs, PlĂ©dĂ©liac, PlĂ©nĂ©e-Jugon, Plestan und Tramain.cite-ref-44[44]

Persönlichkeiten

‱ Mouma Bob (1963–2016), Gitarrist und Singer-Songwriter
‱ Mohamed Boucha (1966–2021), Politiker, geboren im Dorf Tiguindan Adar
‱ Akoli Daouel (* 1937), Politiker, Journalist und Unternehmer

Literatur

‱ Abdoulkader Aghali: La commune d’In Gall (2) (= Etudes et Travaux du LASDEL. Nr. 61). LASDEL, Niamey/Parakou Oktober 2007 (lasdel.net (Memento vom 27. April 2018 im Internet Archive) [PDF; 427 kB]).
‱ Abdoulkader Aghali: La commune d’In Gall (3) (= Etudes et Travaux du LASDEL. Nr. 73). LASDEL, Niamey/Parakou Oktober 2008 (lasdel.net (Memento vom 12. Juli 2019 im Internet Archive) [PDF; 205 kB]).

Weblinks

Commons

: Ingall

– Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

‱ Ingall / Ighazer. Geschichte, Umwelt, Gesellschaft (französisch).
‱ Inghall. In: British Museum Collection online. Abgerufen am 30. MĂ€rz 2021 (englisch).
‱ Observations for location Ingall et environs. In: West African Bird DataBase (englisch).

Einzelnachweise

cite-note-11. ↑ Loi n° 2002-014 du 11 JUIN 2002 portant crĂ©ation des communes et fixant le nom de leurs chefs-lieux. RĂ©publique du Niger, 11. Juni 2002.
cite-note-renaloc-22. ↑ RĂ©pertoire National des LocalitĂ©s (ReNaLoc). (RAR) Institut National de la Statistique de la RĂ©publique du Niger, Juli 2014, S. 14–18, abgerufen am 7. August 2015 (französisch).
cite-note-33. ↑ RĂ©pertoire National des LocalitĂ©s (ReNaLoc). (RAR) Institut National de la Statistique de la RĂ©publique du Niger, Juli 2014, S. 7–8, abgerufen am 7. August 2015 (französisch).
cite-note-44. ↑ Carte de rĂ©fĂ©rence: Niger – RĂ©gion de Agadez. (PDF) REACH, 21. MĂ€rz 2018, abgerufen am 28. MĂ€rz 2021 (französisch).
cite-note-55. ↑ StratĂ©gie Nationale et Plan d’Actions sur la DiversitĂ© Biologique (SNPA/DB). 2Ăšme Ă©dition. (PDF) Annexe 3: RĂ©partition des diffĂ©rentes zones cynĂ©gĂ©tique. Cabinet du Premier Ministre, RĂ©publique du Niger, September 2014, S. 4, abgerufen am 26. Oktober 2020 (französisch).
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